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Das Erdbeben in Chili

Heinrich von Kleist

Das Erdbeben in Chili ist eine Novelle von Heinrich von Kleist, die er vermutlich im Jahr 1806 verfasst hat. Sie wurde zunächst 1807 in Cottas „Morgenblatt für gebildete Stände“ unter dem Titel Jeronimo und Josephe. Eine Szene aus dem Erdbeben zu Chili, vom Jahr 1647 veröffentlicht. 1810 erschien sie erneut unter dem nun bekannten Titel im ersten Band der Erzählungen. Hintergrund: Während das Erdbeben von 1647 in Santiago de Chile (bei Kleist „St. Jago, [die] Hauptstadt des Königreichs Chili“) die historische Vorlage für den Text bietet, ist ideengeschichtlich vor allem das Lissabonner Erdbeben von 1755 für Kleist Anlass gewesen. Auch andere zeitgenössische Philosophen und Dichter, wie Poe, Voltaire, Rousseau und Kant, verwendeten dieses Thema, um unter anderem das Theodizeeproblem zu diskutieren. Die Theodizee, die Frage also nach einem allmächtigen und guten Gott angesichts von Leid und Ungerechtigkeit in der Welt, wurde in der Aufklärung prominent von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) behandelt, der zum Schluss kam, die existierende Welt sei die bestmögliche Welt. Das Erdbeben von Lissabon stellte diese Formulierung erneut stark in Zweifel. Neben der Theodizee-Debatte ist auch der Diskurs über den Naturzustand für Kleists Gedankengang bedeutsam. Rousseaus These, dass in einer ursprünglichen, eigentumslosen Urgesellschaft der Mensch edel und gut sei, forderte die traditionelle Auffassung des von Geburt an bösen Menschen (Erbsünde) heraus: „Die Menschen sind böse; eine traurige und fortdauernde Erfahrung erübrigt den Beweis; jedoch, der Mensch ist von Natur aus gut, ich glaube, es nachgewiesen zu haben; […] Man bewundere die menschliche Gesellschaft, soviel man will, es wird deshalb nicht weniger wahr sein, dass sie die Menschen notwendigerweise dazu bringt, sich in dem Maße zu hassen, in dem ihre Interessen sich kreuzen, außerdem sich wechselseitig scheinbare Dienste zu erweisen und in Wirklichkeit sich alle vorstellbaren Übel zuzufügen.“ Rousseaus These war, dass der Mensch, wenn er in den Naturzustand

Das Erdbeben in Chili ist eine Novelle von Heinrich von Kleist, die er vermutlich im Jahr 1806 verfasst hat. Sie wurde zunächst 1807 in Cottas „Morgenblatt für gebildete Stände“ unter dem Titel Jeronimo und Josephe. Eine Szene aus dem Erdbeben zu Chili, vom Jahr 1647 veröffentlicht. 1810 erschien sie erneut unter dem nun bekannten Titel im ersten Band der Erzählungen. Hintergrund: Während das Erdbeben von 1647 in Santiago de Chile (bei Kleist „St. Jago, [die] Hauptstadt des Königreichs Chili“) die historische Vorlage für den Text bietet, ist ideengeschichtlich vor allem das Lissabonner Erdbeben von 1755 für Kleist Anlass gewesen. Auch andere zeitgenössische Philosophen und Dichter, wie Poe, Voltaire, Rousseau und Kant, verwendeten dieses Thema, um unter anderem das Theodizeeproblem zu diskutieren. Die Theodizee, die Frage also nach einem allmächtigen und guten Gott angesichts von Leid und Ungerechtigkeit in der Welt, wurde in der Aufklärung prominent von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) behandelt, der zum Schluss kam, die existierende Welt sei die bestmögliche Welt. Das Erdbeben von Lissabon stellte diese Formulierung erneut stark in Zweifel. Neben der Theodizee-Debatte ist auch der Diskurs über den Naturzustand für Kleists Gedankengang bedeutsam. Rousseaus These, dass in einer ursprünglichen, eigentumslosen Urgesellschaft der Mensch edel und gut sei, forderte die traditionelle Auffassung des von Geburt an bösen Menschen (Erbsünde) heraus: „Die Menschen sind böse; eine traurige und fortdauernde Erfahrung erübrigt den Beweis; jedoch, der Mensch ist von Natur aus gut, ich glaube, es nachgewiesen zu haben; […] Man bewundere die menschliche Gesellschaft, soviel man will, es wird deshalb nicht weniger wahr sein, dass sie die Menschen notwendigerweise dazu bringt, sich in dem Maße zu hassen, in dem ihre Interessen sich kreuzen, außerdem sich wechselseitig scheinbare Dienste zu erweisen und in Wirklichkeit sich alle vorstellbaren Übel zuzufügen.“ Rousseaus These war, dass der Mensch, wenn er in den Naturzustand
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Genres:

Classics

Description:

Das Erdbeben in Chili ist eine Novelle von Heinrich von Kleist, die er vermutlich im Jahr 1806 verfasst hat. Sie wurde zunächst 1807 in Cottas „Morgenblatt für gebildete Stände“ unter dem Titel Jeronimo und Josephe. Eine Szene aus dem Erdbeben zu Chili, vom Jahr 1647 veröffentlicht. 1810 erschien sie erneut unter dem nun bekannten Titel im ersten Band der Erzählungen. Hintergrund: Während das Erdbeben von 1647 in Santiago de Chile (bei Kleist „St. Jago, [die] Hauptstadt des Königreichs Chili“) die historische Vorlage für den Text bietet, ist ideengeschichtlich vor allem das Lissabonner Erdbeben von 1755 für Kleist Anlass gewesen. Auch andere zeitgenössische Philosophen und Dichter, wie Poe, Voltaire, Rousseau und Kant, verwendeten dieses Thema, um unter anderem das Theodizeeproblem zu diskutieren. Die Theodizee, die Frage also nach einem allmächtigen und guten Gott angesichts von Leid und Ungerechtigkeit in der Welt, wurde in der Aufklärung prominent von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) behandelt, der zum Schluss kam, die existierende Welt sei die bestmögliche Welt. Das Erdbeben von Lissabon stellte diese Formulierung erneut stark in Zweifel. Neben der Theodizee-Debatte ist auch der Diskurs über den Naturzustand für Kleists Gedankengang bedeutsam. Rousseaus These, dass in einer ursprünglichen, eigentumslosen Urgesellschaft der Mensch edel und gut sei, forderte die traditionelle Auffassung des von Geburt an bösen Menschen (Erbsünde) heraus: „Die Menschen sind böse; eine traurige und fortdauernde Erfahrung erübrigt den Beweis; jedoch, der Mensch ist von Natur aus gut, ich glaube, es nachgewiesen zu haben; […] Man bewundere die menschliche Gesellschaft, soviel man will, es wird deshalb nicht weniger wahr sein, dass sie die Menschen notwendigerweise dazu bringt, sich in dem Maße zu hassen, in dem ihre Interessen sich kreuzen, außerdem sich wechselseitig scheinbare Dienste zu erweisen und in Wirklichkeit sich alle vorstellbaren Übel zuzufügen.“ Rousseaus These war, dass der Mensch, wenn er in den Naturzustand

Language:

German

Narrators:

Christoph Hackenberg

Length:

56m


Chapters

Chapter 1
Chapter 1

00:38


Chapter 2
Chapter 2

00:34


Chapter 3
Chapter 3

00:51


Chapter 4
Chapter 4

00:36


Chapter 5
Chapter 5

00:44


Chapter 6
Chapter 6

00:48


Chapter 7
Chapter 7

00:55


Chapter 8
Chapter 8

01:40


Chapter 9
Chapter 9

00:47


Chapter 10
Chapter 10

00:40


Chapter 11
Chapter 11

00:46


Chapter 12
Chapter 12

00:55


Chapter 13
Chapter 13

00:43


Chapter 14
Chapter 14

00:42


Chapter 15
Chapter 15

00:38


Chapter 16
Chapter 16

00:47


Chapter 17
Chapter 17

00:48


Chapter 18
Chapter 18

00:40


Chapter 19
Chapter 19

01:02


Chapter 20
Chapter 20

00:39


Chapter 21
Chapter 21

00:40


Chapter 22
Chapter 22

00:52


Chapter 23
Chapter 23

00:45


Chapter 24
Chapter 24

00:40


Chapter 25
Chapter 25

00:42


Chapter 26
Chapter 26

00:45


Chapter 27
Chapter 27

00:48


Chapter 28
Chapter 28

00:46


Chapter 29
Chapter 29

00:57


Chapter 30
Chapter 30

00:38


Chapter 31
Chapter 31

00:55


Chapter 32
Chapter 32

00:47


Chapter 33
Chapter 33

00:53


Chapter 34
Chapter 34

01:35


Chapter 35
Chapter 35

00:41


Chapter 36
Chapter 36

01:08


Chapter 37
Chapter 37

00:46


Chapter 38
Chapter 38

00:41


Chapter 39
Chapter 39

00:40


Chapter 40
Chapter 40

00:49


Chapter 41
Chapter 41

00:48


Chapter 42
Chapter 42

00:49


Chapter 43
Chapter 43

00:57


Chapter 44
Chapter 44

00:54


Chapter 45
Chapter 45

00:55


Chapter 46
Chapter 46

00:46


Chapter 47
Chapter 47

00:45


Chapter 48
Chapter 48

00:40


Chapter 49
Chapter 49

00:43


Chapter 50
Chapter 50

00:45


Chapter 51
Chapter 51

00:43


Chapter 52
Chapter 52

00:42


Chapter 53
Chapter 53

00:54


Chapter 54
Chapter 54

00:46


Chapter 55
Chapter 55

00:45


Chapter 56
Chapter 56

00:55


Chapter 57
Chapter 57

00:39


Chapter 58
Chapter 58

00:42


Chapter 59
Chapter 59

00:48


Chapter 60
Chapter 60

01:08


Chapter 61
Chapter 61

00:41


Chapter 62
Chapter 62

00:39


Chapter 63
Chapter 63

00:45


Chapter 64
Chapter 64

01:42


Chapter 65
Chapter 65

00:43


Chapter 66
Chapter 66

00:54


Chapter 67
Chapter 67

00:47


Chapter 68
Chapter 68

00:41


Chapter 69
Chapter 69

00:52