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Die Totenwacht

Marie von Ebner-Eschenbach

Es war am Ende eines kleinen Dorfes im Marchfeld, das letzte, das ärmlichste Haus. Seine niedrigen Lehmmauern schienen jeden Augenblick aus Scham über ihre Blöße und all ihre zutage gekommenen Gebrechen in sich zusammensinken zu wollen. Das schiefe Strohdach bot nur noch einen sehr mangelhaften Schutz gegen Hitze und Kälte, Sturm und Schnee. Die Eingangstür, die des Schlosses entbehrte, war mit Stricken an den verrosteten Angeln befestigt, klaffte von allen Seiten und hatte längst aufgehört, eine feste Schranke zu bilden zwischen der Straße und dem einzigen Wohnraume der Hütte. Durch eine seiner Fensterluken drang ein schwach flackernder Lichtschein in das Dunkel der Oktobernacht. Er ging von einer Talgkerze aus, die am Fußende eines Sarges brannte. Der Sarg stand noch offen auf einem Schragen mitten in der Stube, und in ihm ruhte die Leiche einer kleinen, alten Frau. Sorgfältig angetan, mit dem Ausdruck seligen Friedens auf dem greisen Gesichte, nahm sie sich fast zierlich aus in ihrem letzten Bette. Ein weißes Tüchlein war um ihren Kopf gewunden und unter dem Kinn zusammengesteckt; die grauen Haare waren glatt gescheitelt, die Hände über der Brust gekreuzt und mit einem Rosenkranz umwickelt.

Es war am Ende eines kleinen Dorfes im Marchfeld, das letzte, das ärmlichste Haus. Seine niedrigen Lehmmauern schienen jeden Augenblick aus Scham über ihre Blöße und all ihre zutage gekommenen Gebrechen in sich zusammensinken zu wollen. Das schiefe Strohdach bot nur noch einen sehr mangelhaften Schutz gegen Hitze und Kälte, Sturm und Schnee. Die Eingangstür, die des Schlosses entbehrte, war mit Stricken an den verrosteten Angeln befestigt, klaffte von allen Seiten und hatte längst aufgehört, eine feste Schranke zu bilden zwischen der Straße und dem einzigen Wohnraume der Hütte. Durch eine seiner Fensterluken drang ein schwach flackernder Lichtschein in das Dunkel der Oktobernacht. Er ging von einer Talgkerze aus, die am Fußende eines Sarges brannte. Der Sarg stand noch offen auf einem Schragen mitten in der Stube, und in ihm ruhte die Leiche einer kleinen, alten Frau. Sorgfältig angetan, mit dem Ausdruck seligen Friedens auf dem greisen Gesichte, nahm sie sich fast zierlich aus in ihrem letzten Bette. Ein weißes Tüchlein war um ihren Kopf gewunden und unter dem Kinn zusammengesteckt; die grauen Haare waren glatt gescheitelt, die Hände über der Brust gekreuzt und mit einem Rosenkranz umwickelt.
More Information

Genres:

Classics

Description:

Es war am Ende eines kleinen Dorfes im Marchfeld, das letzte, das ärmlichste Haus. Seine niedrigen Lehmmauern schienen jeden Augenblick aus Scham über ihre Blöße und all ihre zutage gekommenen Gebrechen in sich zusammensinken zu wollen. Das schiefe Strohdach bot nur noch einen sehr mangelhaften Schutz gegen Hitze und Kälte, Sturm und Schnee. Die Eingangstür, die des Schlosses entbehrte, war mit Stricken an den verrosteten Angeln befestigt, klaffte von allen Seiten und hatte längst aufgehört, eine feste Schranke zu bilden zwischen der Straße und dem einzigen Wohnraume der Hütte. Durch eine seiner Fensterluken drang ein schwach flackernder Lichtschein in das Dunkel der Oktobernacht. Er ging von einer Talgkerze aus, die am Fußende eines Sarges brannte. Der Sarg stand noch offen auf einem Schragen mitten in der Stube, und in ihm ruhte die Leiche einer kleinen, alten Frau. Sorgfältig angetan, mit dem Ausdruck seligen Friedens auf dem greisen Gesichte, nahm sie sich fast zierlich aus in ihrem letzten Bette. Ein weißes Tüchlein war um ihren Kopf gewunden und unter dem Kinn zusammengesteckt; die grauen Haare waren glatt gescheitelt, die Hände über der Brust gekreuzt und mit einem Rosenkranz umwickelt.

Language:

German

Narrators:

Bettina Reifschneider

Length:

46m


Chapters

Chapter 1
Chapter 1

00:47


Chapter 2
Chapter 2

01:36


Chapter 3
Chapter 3

00:36


Chapter 4
Chapter 4

00:36


Chapter 5
Chapter 5

00:33


Chapter 6
Chapter 6

00:35


Chapter 7
Chapter 7

00:34


Chapter 8
Chapter 8

00:33


Chapter 9
Chapter 9

00:39


Chapter 10
Chapter 10

00:38


Chapter 11
Chapter 11

00:35


Chapter 12
Chapter 12

00:37


Chapter 13
Chapter 13

00:32


Chapter 14
Chapter 14

00:39


Chapter 15
Chapter 15

00:35


Chapter 16
Chapter 16

00:48


Chapter 17
Chapter 17

00:42


Chapter 18
Chapter 18

00:37


Chapter 19
Chapter 19

00:37


Chapter 20
Chapter 20

00:33


Chapter 21
Chapter 21

00:34


Chapter 22
Chapter 22

00:42


Chapter 23
Chapter 23

00:43


Chapter 24
Chapter 24

00:42


Chapter 25
Chapter 25

00:38


Chapter 26
Chapter 26

00:41


Chapter 27
Chapter 27

00:34


Chapter 28
Chapter 28

00:36


Chapter 29
Chapter 29

00:43


Chapter 30
Chapter 30

00:35


Chapter 31
Chapter 31

00:36


Chapter 32
Chapter 32

00:37


Chapter 33
Chapter 33

00:41


Chapter 34
Chapter 34

00:38


Chapter 35
Chapter 35

00:40


Chapter 36
Chapter 36

00:41


Chapter 37
Chapter 37

00:40


Chapter 38
Chapter 38

00:39


Chapter 39
Chapter 39

00:41


Chapter 40
Chapter 40

00:38


Chapter 41
Chapter 41

00:34


Chapter 42
Chapter 42

00:38


Chapter 43
Chapter 43

00:36


Chapter 44
Chapter 44

00:40


Chapter 45
Chapter 45

01:00


Chapter 46
Chapter 46

00:37


Chapter 47
Chapter 47

00:38


Chapter 48
Chapter 48

00:43


Chapter 49
Chapter 49

00:37


Chapter 50
Chapter 50

00:38


Chapter 51
Chapter 51

00:40


Chapter 52
Chapter 52

00:43


Chapter 53
Chapter 53

00:40


Chapter 54
Chapter 54

00:40


Chapter 55
Chapter 55

00:34


Chapter 56
Chapter 56

00:37


Chapter 57
Chapter 57

00:35


Chapter 58
Chapter 58

00:37


Chapter 59
Chapter 59

00:37


Chapter 60
Chapter 60

00:32


Chapter 61
Chapter 61

00:37


Chapter 62
Chapter 62

00:41


Chapter 63
Chapter 63

00:33


Chapter 64
Chapter 64

00:37


Chapter 65
Chapter 65

00:35


Chapter 66
Chapter 66

00:36


Chapter 67
Chapter 67

00:42


Chapter 68
Chapter 68

00:37


Chapter 69
Chapter 69

00:36


Chapter 70
Chapter 70

01:20